Budokai VfL-Löningen

Karate - Judo
Selbstverteidigung

Bestandteile des Karate

Kata

Bild aus der Heian Yondan

Die Kata ist die Form im Karate. Zuerst einmal ist es nichts weiter als eine festgelegte Abfolge von Karate-Techniken und dient der Trainingsorganisation. Bei einer Kata können sehr viele Sportler auf engem Raum trainieren, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen. Außerdem können Karateka mit unterschiedlichem technischen Stand gleichzeitig trainieren. Nicht nur im Karate gibt es diese Formen. Im Wing-Tsun gibt es z. B. die "kleine Idee" (Siu Nim Tau). Auch im Qigong und sogar imAerobic lassen sich feste Formen erkennen.

Außerdem wurden durch die Kata die Karate-Techniken und das Karate-Verständnis durch die Jahrhunderte ohne schrifliche Aufzeichnungen bis auf den heutigen Tag übermittelt. In diesem Sinne geht die Kata nun wesentlich über die bloße Organisation hinaus. Sie erhält tiefgreifende zusätzliche Bedeutungen.

Warum nun extra Kata-Training? Im Kihon macht man doch fast dasselbe? Nun, in der Kata kommen verschiedene Aspekte zum Training hinzu wie z. B. Orientierung im Raum oder gesteigerte Anforderungen an das Gleichgewicht. Welcher Fortgeschrittene Karateka ist nicht an der ersten Wendung in der Heian-Shodan verzweifelt: Drehung zu weit, Gleichgewicht falsch, Bewegungsrichtung seitwärts anstatt nach vorne, Stand nicht richtig usw...

Darüberhinaus ist das Training einer Kata weit abwechslungsreicher als das stupide Wiederholen der immer gleichen Technik.

Ist die Kata nun ein Kampf?
Je nachdem, wie man den Kampf im Karate definieren will. Im Kampf gegen sich selbst ist die Kata eine zusätzliche Trainingsform. Der Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner wirft dagegen sehr viele Fragen auf.

  • Tritt ein Gelbgurt wirklich gegen acht Gegner in der Heian-Shodan an?
    Mal ehrlich, bei acht Gegnern ergreife ich lieber die Flucht!
  • Was machen die anderen imaginären Gegner, wenn ich mich gerade mit einem beschäftige?
    Stehen die wirklich nur rum?
  • Weshalb drei Angriffstechniken in Folge in der Heian-Shodan?
    Oder sind das gar keine Angriffe? Jemand der gegen acht Gegner antritt, sollt einen Gegner mit der ersten Technik ausschalten können, oder?
  • Warum diese komplizierten Wendungen mit langem Schritt?
    Die einfache Wendung aus dem Kihon wäre im Kampf doch wesentlich effektiver und sicherer?
Bild aus der Gangaku

Mit all diesen Fragen muß sich der Karateka in der Kata auseinandersetzen. Häufig führt dies zu recht kuriosen Antworten: Mit vermeintlich sinnlosen Technikfolgen sollte in der Vergangenheit das "richtige" Karate verschleiert werden, da es eine Geheimkampfkunst war (huhuuuu, ich kann Geheimtechniken, boah bin ich gefährlich). Mal ehrlich! Reichen diese "Verschleierungen" wirklich aus, um einen kampfkunstgeschulten Samurai in die Irre zu führen (siehe Geschichte)? Plötzlich werden reine Abwehrtechniken zu Angriffs- oder Kontertechniken umdefiniert, um sie zu begründen. Oder fließen tatsächlich philosophische Aspekte in die Bewegung ein? Also Quasi eine Philosophie in und durch die Bewegung?

Letzendlich muß jeder Karateka hier seine eigenen Antworten finden. Auch dies ist für die charakterliche Entwicklung eines Kämpfers notwendig. In den verschiedenen Lebensphasen kommt ein Karate-Sportler zu unterschiedlichen Antworten. Auch hier offenbart sich das Karate in besonderer Weise als Charakterschule.